Hallo zusammen,
wie von euch denke ich mal alle mitgekriegt haben, hatten wir am 22. Februar ein schlimmes Erdbeben bei uns in Christchurch. Deswegen will ich jetzt, nachdem das schlimmste hier vorbei ist auch nochmal offiziell über meinem Blog allen sagen, dass es mir gut geht. Das Erdbeben kam sehr überraschend, da wir normalerweise immer kleine Nachbeben hatten, aber irgendwie war es denn Februar über ziemlich ruhig. War wohl die Ruhe vor dem Sturm. Mein Hostel ist 15min von der Stadt entfernt und normalerweise geh ich an meinen freien Tagen immer morgens hin und verbringe dort meinen Tag. Aber an diesem morgen, ich weiß nicht warum, das Wetter war so komisch und ich war auch müde, hab ich mich dazu entschieden einfach zu Hause zu bleiben – das hat mir das Leben gerettet.
Ich bin gerade aus der Dusche gekommen und habe begonnen mich einzucremen als das Erdbeben begann. Es war so stark, dass es mich von Wand zu Wand geschmissen hat. Und dadurch, dass ich noch total nass und meine Hände klitschig waren, hatte ich auch keine Möglichkeit mich irgendwo festzuhalten. Es war so schlimm und es hat einfach nicht aufgehört. Ich habe wirklich das erste mal in meinem Leben gedacht, dass ich sterbe. Aufeinmal hörte ich dann auch schreie aus der Küche von meinen Mitbewohnern, aber ich konnte nicht zu ihnen, weil wie gesagt das Erdbeben die Kraft über mich hatte. Als es dann endlich vorbei war und unser Haus noch stand, hatte ich gedacht, dass das Schlimmste vorbei ist. Irgendwie hatte man gedacht, wenn das eigene Haus steht, dann stehen die anderen auch. Leider war das nicht so, denn schon als wir aus der Tür raus sind, haben wir begriffen, dass das schlimmste gerade angefangen hat. Die Häußer um uns herum waren alle eingestürzt und die Menschen auf den Straßen haben geweint und geschrien. Wenige Minuten später hörte man nur noch Feuerwehrsirenen und sah Helikopter am Himmel. Es war so viel auf einmal, dass man gar nicht alles aufnehmen konnte. Es war als ob man in einem Film stecken würde. Gleich darauf haben sie begonnen die verletzten aus den eingestürzten Gebäude zu ziehen, aber oft waren es nur Leichen. Zu dem Zeitpunkt haben wir aber auch nicht gewusst, wie schlimm es in der Stadt Mitte ist, bis dann auf einmal jemand kam und sagte, dass das ganze CBD total zerstört ist. Als wir schließlich ins Hostel zurück sind, haben wir festgestellt, dass wir kein Netz hatten, weder fürs Telefon noch fürs Internet und auch Storm und Wasser gabs nicht. Nach und nach haben wir dadurch begonnen zu realisieren, was hier eigentlich passiert ist. Wir wussten nicht was wir tun sollten, denn helfen sollten/konnten wir nicht, da wir dadurch nur den Feuerwehrleuten im Weg standen. Also saßen wir zusammen im Garten, alle mit ihren Jacken oder einer Decke um den Körper. Langsam begann es auch dunkel zu werden, doch keiner traute sich schlafen zu gehen. Irgendwann haben sich dann doch die meisten etwas hingelegt. Man hat zwar nicht wirklich geschlafen, weil es jede 10min so ein starkes Nachbeben gab, dass man unter den Türrahmen rennen wollte, doch trotzdem hat es gut getan einfach etwas dazu liegen. Am nächsten morgen sagte man uns schließlich, dass es nicht weit von unserem Hostel eine Wasserstelle gibt. Also haben wir unsere Töpfe und Tubawaren genommen und sind zu der Stelle gelaufen, die ca. 20min entfernt war. Wir mussten uns an einer Schlange anstellen und haben nach 2Stunden auch Wasser bekommen, aber das war irgendwie so schwer, dass wir auf dem Rückweg dann 45min gebraucht haben. Wir haben auch noch das in den Toiletten stehende Wasser genommen und haben es dann alles zusammen in eine große Mülltonne gegossen. Natürlich konnten wir das Wasser nicht einfach trinken, weil wir sonst krank werden würden. Wir hatten aber kein Strom um es zu kochen, dann ist uns aber eingefallen das wir noch unseren Barbeque haben. Also haben wir den angemacht und darauf mit einer Pfanne das Wasser gekocht. Weil wir auch mittlerweile alle ziemlich hungrig und es keine Supermärkte mehr gab, ist der Hostelbesitzer in den Pack n Safe eingestiegen (war ja niemand dort, Kamaras waren zerstört, genauso wie Fenster Türen und Wände) und hat etwas Brot und Wurst mitgebracht. Da die Toiletten nicht funktionierten, haben wir im Garten eine große Toilette gebaut, wo jeder sein Geschäft machen durfte. Wir haben eine Plane zwischen 2Bäume festgemacht und Toilettenpapier an die Äste befestigt. Auf dem Boden haben wir dann einen Mülleimer gestellt und daneben ganz viele Plastiktüten und eine große schwarze Plastiktüte. Wenn jemand also aufs Klo musste, musste er oder sie eine Plastiktüte nehmen, diese um den Mülleimer befestigen, sich auf den Mülleimer setzen, sein Geschäft machen und schließlich die Plastiktüte in die große schwarze Plastiktüte schemeißen. Pinkeln konnte man, wo man wollte. War alles schon ziemlich eklig, wenn man auch noch bedenkt, dass man sich die ganze Zeit nicht die Hände gewaschen hatte und auch nicht geduscht hat. Irgendwie haben wir uns dann die ersten 3-4Tage über Wasser gehalten und dann kam auch endlich der Strom zurück. Es war unglaublich, wie wir uns alle gefreut haben - alle haben gejubelt und sich in den Arm genommen. Nach 2Wochen kam schließlich auch das Wasser zurück und den meisten sind von Freude die Tränen gekommen. Ich habe nicht so viele Fotos von den Gebäuden gemacht (und auch nicht gerade die schlimmsten genommen), einfach aus Respekt gegenüber den Menschen die vielleicht jetzt noch Tod dort drinnen liegen.
Das ist das Hostel in dem ich die ersten Nächte in Christchurch geschlafen habe.
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Das Gebäude zwischen dem weißen und orange/gelben Haus, ist die Pizzeria in der wir nur wenige Tage zuvor Essen waren.Das ist das Hostel in dem ich die ersten Nächte in Christchurch geschlafen habe.
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Das sind alles Häußer und Gebäude in unserer Nachbarschaft
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Die Arme mit ihren Panzern und die Polizisten stehen an jeder Kreuzung und evakuieren alles. Fühlt sich an wie im Krieg.
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